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Der lange Titel kommt am Freitag - Lieber indische Küche als tote Salamander: Was regionale Buchhändler empfehlen – und was nicht - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

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16.03.2010

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BUCHMESSE: Der lange Titel kommt am Freitag

Lieber indische Küche als tote Salamander: Was regionale Buchhändler empfehlen – und was nicht

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Vor allem der Sonnabend wird voll auf der Messe, weil ein Leipzig-Trip bei vielen im Kalender steht. Die Thalia-Buchhandlungen starten mit mehreren Bussen ab Berlin, insgesamt 460 Leser haben sich angemeldet, darunter auch eine Gruppe Wildauer, die über die Filiale im A10-Center von der Fahrt Wind bekommen haben.

„Wir fahren zum zweiten Mal“, bestätigt Buchhändlerin Martina Dudaksar-Rißmann. Sie betreut die Gruppe und wünscht sich, „dass ich selbst auch ein bisschen zum Schmökern komme.“ Apropos: Kein Ausflug ohne einstimmende Lektüre, deshalb empfiehlt sie zwei Titel, die in Wildau momentan sehr gefragt sind: Zum einen Jostein Gaarders neuen Roman „Die Frau mit den roten Tuch“, die Geschichte eines Paares, das sich 30 Jahre nach seiner Trennung wieder begegnet und über den Sinn des Lebens spricht. Zum anderen den neuen Roman des Kölners Tommy Jaud, „Hummeldumm“. Der handelt davon, wie der Held auf Afrika-Safari humorig vom Regen in die Traufe stolpert. Jaud führt damit die Bestsellerlisten an.

Dicht auf den Fersen sind ihm Anna Gavalda und Martin Suter, zwei Autoren, deren aktuelle Titel in der Stadtbuchhandlung Radwer in Königs Wusterhausen kurz vor der Buchmesse viel über den Ladentisch gehen. Gavaldas Roman heißt „Ein geschenkter Tag“. „Ein schönes Buch“, urteilt Annette Zemke, aber lässt durchblicken, dass sie Martin Suters Buch „Der Koch“ noch mehr beeindruckt hat. Die Eichwalder Buchhändlerin Petra Schattauer sieht das genauso: „Es ist eine ganz sinnliche Geschichte, die richtig Lust auf’s Kochen macht.“ Der Schweizer Autor Suter erzählt von einem indischen Koch, der seinen Cateringservice als Paartherapie einsetzt. Mit ihm kocht entweder die Harmonie in der Beziehung wieder hoch, oder die Lust auf Seitensprünge. „Die Rezepte stehen im Buch“, verrät Petra Schattauer, die vorige Woche bei der Suter-Lesung in Berlin war. Am Sonnabend fährt sie zur Buchmesse.

Kollegin Annette Zemke in Königs Wusterhausen hat für ihre Kunden Messe-Broschüren mit den wichtigsten Infos ausgelegt, etwa, was die Nominierungen für den Deutschen Buchpreis betrifft, der am 18. März in Leipzig vergeben wird. „Die sind auch auf einen Blick zu sehen, wir haben das Schaufenster entsprechend dekoriert.“ Liegen alle fünf Anwärterbücher drin? „Alle bis auf eines“, erwidert die Buchhändlerin: „Der Roman von Jan Faktor mit diesem sehr langen Titel erscheint erst am Freitag.“ Und so lautet der: „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“. Es ist ein Entwicklungsroman, der zur Zeit des Prager Frühlings spielt.

Einmal bei kniffligen Buchtiteln angelangt, muss natürlich die Frage nach dem umstrittenen Debüt von Helene Hegemann kommt: „Axolotl Roadkill“, im Titel ein banaler überfahrener Riesensalamander, ist ein rasant geschriebenes Psychogramm der degenerierten Berliner Gesellschaft. Autorin Hegemann geriet in Verruf, weil sie weite Teile ihre Handlung nicht erfand, sondern abschrieb. Die Resonanz im Dahmeland ist ihr trotzdem sicher. „Ja, die Leute fragen danach“, sagen die Buchhändlerinnen übereinstimmend. Mehr nicht. Petra Schattauer gibt sogar zu: „Ich verkaufe es nicht gerne.“

Andreas Kalbitz hat sich für eine ganz andere Baustelle entschieden, eine Nische jenseits der „buchindustriellen Abarbeitung“, schildert der Neu-Verleger. Seit Jahresbeginn ist Königs Wusterhausen nämlich um ein literarisches Kleinod reicher, den jungen Hörbuchverlag Edition-Apollon. Kalbitz will damit dem Kulturangebot in der Region ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen. Schon der Namensgeber, ein griechischer Gott, deutet an, dass es bei den neuen Hörbüchern klassisch zugehen wird. Der erste Titel, „Kleine Begegnungen mit großen Leuten“, ist eine Zusammenstellung von Briefwechseln, die der Bremer Publizist Manfred Hausmann mit Größen wie Samuel Fischer, Knut Hamsun und den Mann-Brüdern führte.

Unmittelbar nach der Buchmesse in Leipzig will Andreas Kalbitz zwei weitere Hörbücher auf den Markt bringen, „und im Herbst noch einmal drei“. Das Medium Hörbuch hat er gewählt, weil es „einen Text in seiner Wahrnehmung interessanter macht“. Leipzig ist sein erster öffentlicher Auftritt.

Öffentliche Besuchertage sind der 20. und 21. März, jeweils 10 bis 18 Uhr. Im Internet: www.leipziger-buchmesse.de (Von Tanja Kasischke)


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