LINDOW - Florian Wolf mag deftige Hausmannskost. Doch viel interessanter sind für den jungen Nachwuchskoch exotische Speisen, bei denen er „verrückte Sachen ausprobieren“ kann – zum Beispiel ein süßes, zartes Soufflé mit reizvoller Chili-Note. „Da macht es mir auch nichts aus, wenn ich bis Mitternacht in der Küche stehe“, sagt der 19-Jährige, der seit fast drei Jahren im „Haus Schönbirken“ bei Lindow arbeitet.
In der Klinik mitten im Wald, in der Suchtkranke ihren Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit beginnen können, werden täglich bis zu 40 Personen bekocht. Bei Küchenchef Volker Tabatt lernt Florian Wolf zusammen mit drei anderen Lehrlingen die Kunst des Kochens. Schon als 15-Jähriger hatte der junge Mann, der aus der Nähe von Rostock stammt, ein Praktikum bei Tabatt absolviert. „Noch heute merkt man ihm die Lust und Liebe am Kochen an“, sagt der Ausbilder, der mit seinem Zögling bereits mehrere Preise gewonnen hat. Erst Anfang März hatte Florian Wolf bei der Vorentscheidung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg zum begehrten Rudolf-Achenbach-Preis den dritten Platz belegt. Er hat sich damit zwar nicht für den bundesweiten Nachwuchswettbewerb qualifiziert, aber sein Ausbilder ist trotzdem stolz. Schließlich kam die Konkurrenz aus renommierten Häusern wie dem Berliner Hilton.
Innerhalb von fünf Stunden musste Florian Wolf ein Vier-Gänge-Menü für sechs Personen kredenzen. Welche Zutaten er dafür verwenden darf, hatte er vier Wochen zuvor erfahren – und dann immer nach Feierabend trainiert und experimentiert.
Doch beim Wettbewerb zum Achenbach-Preis war nicht nur das Geschick in der Küche gefragt: Der Nachwuchskoch musste über das neue Hygienegesetz Auskunft geben, eine Oxtail Clair (Ochsenschwanzsuppe) erklären, die Zutaten für eine Sauce Bordelaise benennen oder den ernährungsphysiologischen Wert von Fisch bestimmen. Schon in wenigen Wochen wartet auf Florian Wolf die nächste Herausforderung: Gemeinsam mit Azubi Pascal Simon wird er vom 9. bis 11. April beim Küstenfischpokal in Ribnitz-Damgarten antreten. Dort hatten Tabatt’s Schützlinge bereits Silber und Bronze abgeräumt.
„Mir tut es leid, dass Florian unser Haus in diesem Jahr verlassen wird“, sagt der Ausbilder. Aber wer in der Branche erfolgreich sein will, müsse über den Tellerrand schauen und sich der Welt öffnen. Der junge Mann von der Küste hat das schon getan: Nach einem Praktikum in Italien liegen ihm inzwischen mehrere Arbeitsangebote vor. (Von Katharina Kastner)